BURN BABY BURN

Carine Lacroix | Premiere: 10.02.2013

PRODUCTION

Deutsches Theater Berlin

DIRECTOR

Fabian Gerhardt

STAGE & COSTUME DESIGN

VON JUNE

VIDEO

Etienne Heinrich

MUSIC

Ingo Schröder

DRAMATIC ADVISER

Kristina Stang

STAGE & COSTUME DESIGN ASSISTENT

Felicia Radünz

CAST

Karla Sengteller, Lisa Hrdina, Thomas Schumacher

PHOTOGRAPHER

Arne Declair

PRESS

19.03.2013|Livekritik.de|Jamal Tuschick: "EINÖDE MIT UNSICHTBARER TANKSÄULE Burn Baby Burn – Highway Inferno im Deutschen Theater Burn Baby Burn – Der Titel spielt mit zwei Liedern, namentlich mit „Burn Baby Burn“ von Ash aus dem Jahr 2001 - und mit „Disco Inferno“ von The Trammps, aufgenommen 1976 zur Hochzeit des Funk und kurz vor „Saturday Night Fever“. Cyndi Lauper und Tina Turner sangen später „Burn baby burn! Burn baby burn! Burn baby burn! Burn baby burn! Burnin'!“ nach. Bei Ash brennt das nicht so exzessiv, dafür sollte „Burn Baby Burn“ ursprünglich „This Is Slow Suicide“ heißen – und das läuft ganz fruchtbar zusammen mit den floralen Stimmungen in „Burn Baby Burn“ von Carine Lacroix – inszeniert im Deutschen Theater von Fabian Gerhardt. Winter vor der Tür, Sommer auf der Bühne. Dem überlaufenen Berlin mit seinen roten Teppichen stellt das Stück eine Einöde ohne Tanksäulen entgegen. Da strandet Violette (Lisa Hrdina), ihr ist das Benzin ausgegangen. Da trifft sie Erla als einsamen Sonnenschein. Karla Sengteller spielt die Einsiedlerin mit aufgeschlagenen Knien. Erla entbehrt beinah alles, doch scheint ihr nichts zu fehlen. Sie terrorisiert ihren Besuch mit kindlicher Gewitztheit und infantilen Gemeinheiten: „Du bist echt Scheiße, aber besser als nichts“. „Als Kind haben sie mich in Alufolie gefoltert“. Erla erzählt den Roman von einer abgängigen Mutter und dem Glück eines Lebens vor Ort und außerhalb der Welt. Nur Mad Max und seine Rocker leisten Erla manchmal Gesellschaft. Violette bleibt eine Weile defensiv, sie sondiert das Terrain. Ihr Repertoire kommt aus einer flachen Lade der Gesellschaft. Sie lernt Friseurin und findet, dass es Schlimmeres gibt. Sie hat Eltern und begreift sich als Freundin eines Rauschgifthändlers. Man ahnt die Einseitigkeit dieses Begreifens - bevor Violette gescheit wird. Bald stellt sie sich als die Hartgesottene heraus. „Burn Baby Burn“ erreicht auch als Temperatur-Theater das Publikum, Kälte wird eingespielt – und illustriert mit Nebel. Hrdina überzeugt sehr als verstockte Proll, sie setzt lauter merkwürdige Marken in einem Psychologie-Atlas des unterversorgten Seins. Karla Sengteller begegnet ihr als bourgeoises Gör, dass sich am Ende einfach einschüchtern - und von einer - in Violettes Augen - albernen Romantik dumm machen lässt. Ihre Erla ist gleich Feuer und Flamme für einen Pizza-Boten in Ausübung seiner Nebenberufstätigkeit Lustknabe. Also, bestellt war eine vegane Pizza mit den Extras Schinken & Salami, statt ihrer liefert sich selbst ein Polizist für gewisse Stunden. Die Animation in Uniform geht so gründlich schief, dass sich Issa seines Lebens nicht mehr sicher sein darf - in der Verhaftung. Ja, Violette setzt Issa fest, sie bedroht ihn mit wachsender Begeisterung. Man erkennt das Schema: zu oft war sie ausgeliefert, jetzt genießt sich Revanche. Thomas Schumacher ist ein adretter und furchtbar netter … Habicht – und als Issa von Erlas hoher Stirn sehr angetan. Er hört ihr zu, sie widmete sich ihrem Gefangenen mit dem Repertoire einer zufriedenen Gattin. Violette will das unbedingt gröber: „Nimm ihn dir doch einfach. Schließlich kann er nicht weglaufen.“ Doch räumt sie dann das Feld, um nicht zu stören die Kreise bürgerlicher Anbahnung. Das kommt gut und haut hin … mit viel Witz, Akrobatik, lustiger Lyrik und brauchbaren Botschaften. Besucherfazit: Sehenswert

Category
Theater
About This Project

Bei brütender Hitze, mitten im Nirgendwo, treffen zwei junge Frauen aufeinander. Die eine scheint schon immer da zu sein, es ist ihr Reich, dieser unbewohnbare Ort, der vielleicht eine verlassene Tankstelle ist oder der Rest von irgendetwas anderem. Die andere ist auf der Durchreise, und genauso wenig wie die eine weiß, warum sie eigentlich da ist, kann die andere sagen, warum sie bleibt.

Zwischen Erla und Violette entsteht langsam eine Nähe, eine Art Freundschaft – zwischen zwei Mädchen, denen klar ist, dass das, was sie kennen, unmöglich schon das Leben sein kann. Und dass man trotzdem irgendetwas wollen, sich selbst erfinden, eine eigene, gute Story behaupten muss. Oder sich wenigstens möglichst gut von allem abschotten, was real, normal, erwachsen ist. Doch Erla und Violette sind nicht allein in ihrer selbstgeschaffenen Welt. Da ist auch Issa, ein junger Mann aus dem Ort, der gefährlich viel Realität mitbringt. Und das setzt am Ende mehr aufs Spiel, als alle drei gedacht hätten.